Freitag, 5. Oktober 2012

[Rezension] Drüberleben

von Kathrin Weßling
"Ida steht zum wiederholten Mal in ihrem Leben vor der Tür einer psychiatrischen Klinik, mit einem Zettel, auf dem ihr Name und der Grund für ihren Aufenthalt genannt sind. F 32.2. Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome. »Drüberleben« erzählt von den Tagen nach diesem Tag, von den Nächten, in denen die Monster im Kopf und unter dem Bett wüten, den Momenten, in denen jeder Gedanke ein neuer Einschlag im Krisengebiet ist. Es erzählt von Gruppen, die merkwürdige Namen tragen, von Kaffee in ungesund großen Mengen, von Rückschlägen und kleinen Fortschritten, von Mitpatienten und von Therapeuten. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die sich zehn Wochen in eine Klinik begibt und dort lernt zu kämpfen. Gegen die Angst und gegen das Tiefdruckgebiet im Kopf."

Inhalt

Ida geht zum wiederholten Male in eine Klinik um den Kampf gegen ihre Depression aufzunehmen.
Der Schritt in die Klinik zu gehen kam von ihr aus, sie weiß, dass sich in ihrem Leben etwas ändern muss doch was?
Wie kann sie es schaffen glücklich und zufrieden mit sich und ihrem Leben zu sein?

Gestaltung

Ich mag das Cover total, es ist sehr schlicht und auf den ersten Blick wirkt er sehr sachlich. Auf dem zweiten Blick allerdings sieht man in den Blasen ein teil der Geschichte, die Bilder wirken sehr trist und verloren, die bunten Blasen geben dem Buch dann aber auch einen Hoffnungsschimmer und insgesamt spiegelt es für mich einfach die Stimmungsschwankungen wieder die man während der Depression durchaus durchlebt. Ich bin begeistert!
  
Meinung

Kennt ihr diese Bücher bei denen man das Gefühl hat, all die positiven Worte die man finden könnte wären nicht genug? Dass sie dem Buch einfach nicht gerecht werden könnten? Nun, hier haben wir ein solches Buch und mir fällt es sehr schwer eine Rezension zu verfassen, die dem Buch überhaupt gerecht werden könnte..
   
Der Einstieg in das Buch war bereits phänomenal, das lag vor allem an dem Schreibstil, der so grandios ist, dass man nur kleben bleiben kann und mehr von diesen unheimlich gut gewählten und zusammengefügten Worten in sich aufsaugen möchte. 
Der Schreibstil ist sehr poetisch und schön und genau diese Worte sind es die einem in die Welt der Depressionen führen.
Ich muss sagen, dass sich das Buch sehr schnell lesen ließ, was vor allem an dem Schreibstil lag, dennoch hat mich das Buch sehr mitgenommen. 
Man ist wirklich in Ida hinab getaucht und sie hat einem mit hinuntergezogen. Das war definitiv eine Erfahrung, die mich sehr nachdenklich gestimmt hat und die mich dazu gezwungen hat, sich mit mir selbst auseinander zu setzen.
Viele der Dinge die Ida durch den Kopf gehen kommen einem bekannt vor und ich denke, dass so gut wie jeder mal so seine Phasen hat in der man so denkt wie sie.
Dass man sich unbedeutend vorkommt und in seinem Leben nichts positives finden kann. Doch der unterschied ist, dass die meisten von uns nicht in diesem schwarzen Loch stecken bleiben sondern es schaffen sich aufzurappeln.
Ich fand es doch erschreckend, dass ich ihre Gedanken zum Teil sehr gut nachvollziehen konnte, ich weiß, dass ich ab und an ziemliche Stimmungsschwankungen habe, in der ich alles schwarz male, aber ich habe mich weit von einer depressiven Haltung entfernt gesehen.
Es war erschreckend zu sehen, dass das eigene Leben gar nicht soweit von der Depression entfernt ist, was nicht heißen soll, dass ich mich als gefährdet sehe, aber es hat mir einfach verdeutlicht, dass es wohl gar nicht so schwer ist, in einem schwarzen Loch stecken zu bleiben..

Dennoch hat es auch was positives mit sich gebracht, weil es mich auch dazu gebracht hat mir all die positiven Dinge in meinem Leben vor Augen zu führen. :)

Es war sehr interessant Ida durch die Klinik zu begleiten.
Ich hatte das Gefühl, dass die Autorin einen völlig schonungslos in die Krankheit wirft und sie einem so gezeigt ist wie sie wirklich ist.
Ich fand das wirklich klasse, auch wenn es mich runtergezogen hat, aber es war sehr interessant einen so tiefen und authentischen Einblick in die Krankheit zu erhalten.

Ich mochte Ida wirklich sehr und habe sie gerne auf ihren Weg begleitet, sie ist mir während des Lesens wirklich sehr ans Herz gewachsen. Und ich fand es schade, dass sie so wenig n der Lage war Hilfe anzunehmen, aber ich hatte durchaus Verständnis für sie.

!Kleiner Spoiler!
Zum Ende des Buches kann ich nur sagen, das es wirklich klasse gewählt wurde. Es gibt kein festes Ende, Ida ist weder gescheitert noch hat sie gewonnen, aber er gibt einem Hoffnung, dass sich für Ida etwas ändern könnte. Meiner Meinung nach ist sie noch mal einen großen Schritt nach vorne gegangen :) 

Fazit

Ein Buch das ich nur jedem ans Herz legen möchte, es ist ein Buch das man nicht vergisst, weil es so viele Emotionen in einem hervorruft und weil es einem so viel gibt. Für mich ein kleines Meisterwerk unter den Büchern! 
Genial - absolute Lesepflicht!
 Weitere Informationen: 
  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag (3. September 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442312841
  • ISBN-13: 978-3442312849
 

 

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