Samstag, 25. Januar 2014

[Rezension] Die Welt ist eine Muschel

von Alessandro D'Avenia
"Der Geruch des Meeres, die Gischt der Wellen, das gleißende Licht, das sich zwischen Horizont und Himmel sammelt und Margheritas klare grüne Augen tränen lässt: Ihren 14. Geburtstag verbringt sie mit ihrem Vater auf einem Segelboot. Es ist das Ende des Sommers und der Beginn einer neuen Zeit, denn bald fängt für Margherita das Jahr an der Oberschule an. Sie hat Angst, aber der Vater beruhigt sie - alles wird gutgehen. Doch nach diesem Sommer ist für Margherita nichts mehr so, wie es einmal war. Der Vater verlässt die Familie ohne Erklärung und lässt seine Tochter mit dem unaussprechlichen Gefühl der Trauer zurück, das sie in sich einschließt wie die Perle in einer Muschel. Doch sie erfährt auch, wie es ist, wenn einen die Liebe wie ein Blitz trifft. Und sie lernt, dass man manchmal handeln muss, um das Glück festzuhalten."


Es ist der Sommer bevor Margherita aufs Gymnasium wechselt, sie genießt den Familienurlaub mit ihrer Familie und insbesondere die Momente mit ihrem Vater sind ihr heilig. Sie vertraut ihm ihre Ängste an und er nimmt sie ihr.
Als der Urlaub dann vorbei ist und auch die Sommerferien sich dem Ende geneigt haben, kehrt ihr Vater nicht mehr Heim, nur eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter, sonst nichts.
Für Margherita bricht eine Welt zusammen, sie stößt insbesondere ihre Mutter von sich und auch den Schritt in die neue Schule, ist für sie gewaltig.
Der Schmerz den sie in sich trägt unterscheidet sie von ihren neuen Mitschülern und sogleich hat sie den Stempel der verrückten aufgedrückt bekommen.
Doch die Schule gibt ihr auch Mut, der Lehrer der ihr von der Odyssee erzählt, ihre neue Freundin Marta, die sich nicht von ihrem Schmerz abschrecken lässt und Giulio der ihren Schmerz versteht.. Und so beginnt ihre ganze eigene Odyssee, die nicht nur ihr eigenes Leben verändert.



Die Gestaltung des Buches ist einfach nur wunderschön. Ich mag das Bild sehr gerne, es strahlt Frieden und Ruhe aus und ein Hoffnungsschimmer birgt sich auch darin. Zu dem passt es einfach sehr gut zum Inhalt des Buches.



Meine Erwartungen an dieses Buch waren wirklich hoch, nach dem ich den Titel und Inhaltsangabe las, überkam mich dieses bekannte Gefühl der Verliebtheit zu einem Buch.
Jedes mal wenn das passiert reiht sich ein neues Buch in die Liga der Lieblingsbücher ein. Und auch dieses mal, behielt das anfängliche Gefühl recht. :)

Was dieses Buch vor allem ausmacht ist die Sprache mit der, der Autor zu überzeugen weiß, er verwandelt Worte in schöne und farbenfrohe Bilder die vor dem inneren Auge zu tanzen beginnen. Ich hatte einfach immer das Gefühl die Sonne aus Italien schien mit mitten ins Gesicht. Es ist nicht nur so, dass man sich die Umgebung gut vorstellen kann, der Autor schafft es einfach auch, dass man absolut in die Geschichte mit eintaucht.

Aber noch beeindruckender als das zum leben erwecken der Umgebung fand ich das was er mit seinen Worten vermittelt.
Seine Sätze sind alle sehr tiefgründig, in ihnen ist viel zu entdecken und sie regen einfach zum nachdenken an. Ein Aspekt den ich immer willkommen heiße und von dem ich immer wieder von neuen angetan bin.
Zudem bezaubert der Autor mit einer sehr schönen Sprache, Sätze die man liest und dann noch mal liest, weil sie so schön geschrieben sind, dass man sie einfach tief in sich verschließen möchte. Ich musste so einige Male das Lesen unterbrechen um genau diese Sätze herauszuschreiben.

Das Buch ist einfach ein sprachlicher Genuss, das man Wort für Wort genießt und in sich aufnimmt.
Zudem ist das Buch mit Zitaten aus der Odyssee gespickt, das dem ganzen noch einmal eine besondere Note verleiht und auch die zitierten Songtexte untermauern die Stimmung im Buch auf eine besondere Weise. Herausragend fand ich allerdings die sizilianischen Sprichwörter die Margheritas Oma immerzu zum besten gibt.

Das Buch lässt sich generell leicht lesen, dennoch würde ich einfach empfehlen das Buch langsam zu lesen um das alles richtig wirken zu lassen.

Die Geschichte an sich wusste ebenfalls zu überzeugen, zumal ich es einfach toll fand wie viel Einfluss Margheritas Odyssee letztendlich auf alle involvierten Protagonisten hat. Wie sie an ihrer Reise selbst anfangen zu wachsen und etwas über sich selbst zu lernen.
Hier waren einfach viele Reifeprozesse vorhanden, für jeden einzelnen Charakter gab es eigene innere Hürden zu überstehen, denen sie sich allerdings erst durch Margherita zu stellen wagten.
Ich mag es ja generell sehr gerne, wenn Charaktere über sich hinaus wachsen, dass es hier bei fast jedem der Protagonisten geschehen war, fand ich einfach überraschend und absolut positiv.



Die Odyssee von Margherita selbst ist recht abenteuerlich gestaltet, teilweise fand ich das ein wenig unglaubwürdig, aber es passte zur Geschichte und das ein oder andere Ereignis sorgte somit für Spannung, zwischen der allgemein eher ruhigen Geschichte.



Ein wirkliche wunderschönes Buch, es ist ein Buch, das nicht nur schön, tief und bezaubernd ist sondern auch zum nachdenken anregt und vor allem einfach glücklich macht.
Absolue Lesepflicht!

Weitere Informationen:

  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (9. Dezember 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442746620
  • ISBN-13: 978-3442746620

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