Donnerstag, 20. Februar 2014

[Rezension] Der Tag wird kommen

von Nina Vogt-Østli
"Das Leben ist hart, wenn du ganz unten bist. Wenn deine Mutter keine Zeit für dich hat. Wenn dein Vater wünscht, du wärst nie geboren worden. Wenn der mieseste Schlägertyp der Schule dich auf seiner Abschussliste hat. Wenn sie auf dich einprügeln, Tag für Tag, bis du wie ein zitternder Haufen im Dreck liegst.
Doch eines Tages können sie sich nicht mehr zusammenrotten – und dann bist du am Zug. Eines Tages werden sie sehen, wer du wirklich bist, was du wirklich kannst. Wozu du fähig bist. Aber bis es so weit ist, musst du überleben."

Hans Petter leidet unter den ständigen Schikanen seiner Mitschüler, insbesondere Andreas macht ihm das Leben zur Hölle.
Die Schule macht ihm Angst und er fühlt sich komplett allein. Seine Mutter versucht ihm die Gesellschaft zu geben die er von gleichaltrigen nicht bekommt, doch auch wenn ihm die gemeinsamen Filmabende mit seiner Mutter gefallen, so weiß er dass es nicht normal ist und er wünschte sich es wäre anders.
Als er zurückgezogen in seinem Zimmer vor dem Computer sitzt und zockt, wird er von einem Mädchen namens Fera angeschrieben, die beiden freunden sich miteinander an auch als er sie behauptet aus der Zukunft zu kommen, bleibt der Kontakt weiterhin bestehen. Zwar hält Hans Petter sie nun für völlig bescheuert, aber sie ist nun mal seine einzige Freundin und er genießt die Schreiberei mit ihr.
Doch in der Schule wird die Schikane immer schlimmer und er weiß das niemand ihm helfen kann außer er selbst..



Das Cover gefällt mir weniger gut, es ist zwar recht aussagekräftig und lädt zum interpretieren ein, da ich mich durch das Cover aber doch eher an eine Geschichte im 2. Weltkrieg erinnert fühle, finde ich es nicht ganz passend obwohl es das irgendwie schon ist.^^


Ich muss sagen, dass sich das Buch als völlig anders herausgestellt hatte als erwartet, anfänglich war ich doch recht angetan von der großen Überraschung um Fera und war gespannt wohin das führen mag, aber die Geschichte hat für mich immer mehr an Reiz verloren. Was schade ist, da die Idee eine Unmenge an Potenzial aufweist.

Es geht hier vor allem um die Frage, wie entsteht das Böse? Wird man böse geboren oder wie kommt es dazu, dass einige Menschen einfach nur noch den Abgrund mit sich bringen?
Es ist eine interessante Frage, die sich allgemeingültig natürlich nicht mal eben beantworten lässt, weil es eben immer auch auf den Menschen ankommt. Aber dieses Buch richtet seine Kritik doch an unsere Gesellschaft.

Die Idee mit Fera aus der Zukunft war da einfach eine tolle Idee, sie blieb nur recht schwach ausgebaut, generell finde ich, dass man so viel mehr aus dem ganzen hätte machen können.
Die Autorin entwirft ein Zukunftsmodell in der die Menschheit von Vorsicht und Kontrolle am Leben gehalten wird, denn vor einiger Zeit hatte sich die Menschheit fast vollständig ausgelöscht und die Welt ist auch über 300 Jahre nach dem unglaublichen Krieg dabei sich zu erholen.
Doch Fera ist neugierig und möchte mehr über das Leben erfahren in dem man das Recht hatte für sich selbst die Entscheidungen zu treffen.

Es ist ein Buch das klar zum nachdenken anregen will und es teils auch tut, allerdings nicht in dem Umfang wie es das hätte tun können, aber Fera ist nicht das Problem in der Geschichte. Diesen Part habe ich wirklich genossen auch wenn ich diesen Science-Fiction Part rein vom Gefühl her nicht so passend fand für ein solches Thema.

Was mir Probleme bereitet hat war dann doch eher Hand Petter, erst einmal erfüllt er wohl jedes Klischee eines gemobbten Jungen, an sich nicht schlimm auch wenn ich es durchaus schön gefunden hätte, wenn man das ein bisschen anders dargestellt hätte.

Mit seiner Persönlichkeit kam ich im Buch allerdings nicht wirklich klar, anfangs tat er mir Leid, doch je mehr Platz ich in seinen Gedanken genommen habe umso gleichgültiger wurde sein Schicksal für mich. Nicht, dass ich der Meinung war er hätte es verdient, das hat niemand, aber mein Mitgefühl hielt sich dann irgendwo in Grenzen.
Hans Petter ist eigentlich ziemlich überheblich, er hält sich für wahnsinnig intelligent, nur leider ist dies dann nicht wirklich bemerkbar, weshalb er einfach nur wie ein arroganter Schnösel wirkt der sich selbst maßlos überschätzt. Zumindest im inneren, nach außen trägt er natürlich das Opfer schlechthin.
So hält er seine Mutter für eine minder intelligente Frau, die nicht weiß wie die Welt funktioniert, komischerweise merkt man ihr dann aber die Intelligenz an und auch wenn sie mit dem Mobbing gegen ihren Sohn überfordert ist, kann man ihr wirklich nichts vorwerfen, da sie schon wirklich viel unternommen und versucht hat. Dass all das nicht fruchtet, und nicht zur Verbesserung hilft, ist dann leider traurig, sorgt bei ihr aber auch für die Überforderung.

Generell durchlebt Hans Petter im Buch eine sehr strikte Entwicklung, sie kommt mit einem Mal auch sehr plötzlich und nimmt einen solchen Ausmaß an, dass man sich als Leser nur verwundert fragt, wieso?
So ganz einleuchtend und nachvollziehbar ist es nämlich nicht und ich fand es weder gut für die Geschichte, noch würde ich es als sonderlich realistisch bezeichnen.
Dass Mobbing extreme Folgen haben kann, will ich nicht bestreiten, aber das ist ein Ausmaß der einfach zu viel des Guten der Geschichte war. Wahrscheinlich gewollt um den Schock zu erhöhen, aber mir persönlich hat es weniger gut gefallen, zu mal es einfach nicht sonderlich gut durchdacht und konstruiert wurde. ;)


Ich war wirklich gespannt auf dieses Buch und tatsächlich hätte hier auch ein sehr tiefgreifendes Werk entstehen können, denn das Potenzial war gegeben. Meiner Meinung nach wird hier leider viel verschenkt. Dennoch besticht dieses Buch auch durch positive Aspekte und der Autorin gelingt es durchaus, zum nachdenken anzuregen und ich denke damit wird ihr Ziel auch erreicht sein, nur hätte es mehr werden und dem Leser auch langfristig im Gedächtnis bleiben können.
Gute Ansätze, Potenzial verschenkt
Weitere Informationen:
  • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
  • Verlag: Coppenrath, Münster; Auflage: 1., Aufl. (Januar 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3649613867
  • ISBN-13: 978-3649613862

1 Kommentar:

  1. Heey,

    am 01. März starte ich wieder eine Lesenacht! Vielleicht hast du ja wieder Lust mitzumachen? (: Schau doch mal vorbei ;3

    http://buecher-welten.blogspot.de/2014/02/lesenacht-2014.html

    viele liebe Knuddelgrüße
    Ich (Jaci)

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