Dienstag, 18. März 2014

[Rezension] Alice, wie Daniel sie sah

von Sarah Buttler
"Für den obdachlosen Daniel ist jeder Buchstabe mit einer Farbe verbunden. Seit Jahren streift er durch London und sammelt Papierschnitzel und andere achtlos weggeworfene Dinge in den Farben, die den Namen seiner Tochter bilden: Eisblau für A, Gold für L, Rosa für I, Dunkelblau für C, Grau für E - Alice. Daraus formt er kleine Kunstwerke, die er für sie in der Stadt verteilt. Daniel hat seine Tochter noch nie getroffen. Bis ihm der Zufall eines Tages ihre Adresse zuspielt."

Als Alice von ihren Schwester benachrichtigt wird, dass ihr Vater im sterben liegt, kehrt sie zurück nach London in ihr Elternhaus. Die Beziehung zu ihrem Vater aber auch zu ihren Schwestern war schon immer schwierig, sie hat sich nie als Teil dieser Familie gesehen und sich auch nie Daheim gefühlt.
Alice selbst meint es liegt an dem Tod ihrer Mutter an dem sie sich selbst die Schuld gibt, die Wahrheit liegt allerdings woanders. 
Denn die Wahrheit ist, dass Daniel ihr Vater ist.
Daniel ist ein Obdachloser und ständig auf der Suche nach seiner Tochter, Daniel sieht in jedem Buchstaben eine Farbe und sobald er Gegenstände in den Farben von Alice's Namen findet, sammelt er es auf.
Als er zufällig die Todesanzeige von Alice vermeintlichen Vater sieht und ihren Namen erkennt, taucht er bei der Beerdigung auf. 
Allerdings beobachtet er sie vorerst nur, denn die Zeit ist noch nicht reif, doch er hinterlässt ihr Geschenke in den verschiedensten Farben, die das Aussagen was er ihr nie sagen konnte..


Ich mag die Gestaltung unglaublich gern, auf mich wirkt das Bild sehr hoffnungsvoll und sehr verträumt.  Einfach ein schönes und stimmiges Bild, passend und absolut ansprechend. :)


Ich war unglaublich gespannt auf dieses Buch, die Beschreibung klingt einfach wunderschön und ich war gespannt wie und ob Daniel und Alice zueinander finden würden. 

Tatsächlich habe ich mir die Hintergründe dafür, dass die beiden sich nie kennenlernten anders vorgestellt und die Tatsache, dass Alice mit zwei Schwestern und einem anderen Vater aufwuchs und diesen auch für ihren richtigen Vater hält,  war für mich ganz schön überraschend. 
Es war aber ein Aspekt der mit gut gefallen hat und letztendlich scheint es mir so auch passender zu sein um die Aussage des Buches einzufangen.

Am meisten an der ganzen Geschichte hat mir Daniel gefallen, die Liebe die er für seine Tochter empfindet ist unglaublich stark und es gibt keinen Tag, an dem er nicht an sie denkt. An dem er nicht nach ihr ausschau hält, sich eine Begegnung mit ihr herbeisehnt und sie zugleich fürchtet.
Ich fand ihn unglaublich lieb und er hat mich komplett für sich eingenommen. 
Dann ist da natürlich noch seine Sicht die er auf die Welt wirft und wie er in jedem Buchstaben aber auch sonst in jedem Wort eine Farbe sehen kann, er ist ein besonderer Mensch und das kommt wirklich gut zur Geltung.
Er wirkt auf der einen Seite sehr kindlich und man bekommt das Gefühl diesen Mann in den Arm nehmen und beschützen zu wollen.
Er ist von seinem Elternhaus geprägt und man merkt wirklich, dass er immernoch darunter leidet und nicht abschließen kann.
Er wirkt alles im allem sehr verloren und unglücklich und man bekommt deutlich zu spüren, dass einzig und allein Alice und die Hoffnung darauf sie zu finden, der Grund ist weshalb er noch nicht aufgegeben hat.
Was mir immer ein bisschen unklar blieb, war sein Weg der auf die Straße führt, es wird deutlich ersichtlich, dass es ihm nie wirklich gelungen ist einen Fuß auf der Welt zu fassen, aber der genaue Weg auf die Straße blieb verborgen und das fand ich ein wenig schade.
Neben all der Sanftheit und auch Güte die Daniel in sich trägt, ist er auch ein sehr intelligenter Mensch, vor allem im philosophischen Sinne empfand ich seine Aussagen als sehr schön und hab mich gerne von seinen Worten treiben lassen.

Neben Daniel gibt es natürlich auch Alice und auch sie fand ich wirklich sehr sympathisch. Man merkt, dass auch sie ihre Schwierigkeiten hat im Leben, die auch aus ihrer Kindheit herrühren. Sie ist auf der ständigen Flucht, vor ihrer Familie, vor ihren Erinnerungen und auch vor ihren Befürchtungen. 
Alice kann nicht stillstehen, so durchreist die Welt und findet keinen Halt.
Wenn sie optisch auch ihrer Mutter gleicht wie ein Ei dem anderen, so scheint sie mir vom Wesen her Daniel sehr ähnlich zu sein. Ich fand es schön zu sehen, was die beiden alles gemein haben. Und dass die Verbindung besteht, obwohl sie sich noch nie begegnet sind. 

Den Aufbau des Buches fand ich sehr schön, die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Alice und Daniel erzählt. 
Jedes neue Kapitel wird mit einer Liste eingeleitet, die einer von den beiden erstellt, diese Listen bringen teilweise nur "nichtige" Details mit sich, die aber alles im allem das Bild was man von ihnen bekommt noch aussagekräftiger erscheinen lässt. Auf der anderen Seite erfährt man durch diese Liste vieles was sie in sich verbergen, von ihren Wünschen und Ängsten. Ich war immer voller freudiger Erwartung was die Listen betrifft. 

Das Ende des Buches hat mich ein bisschen im Zwiespalt versetzt, auf der einen Seite habe ich es für passend empfunden und es hat mir auch gut gefallen, auf der anderen Seite hätte ich mir doch ein anderes Ende gewünscht. Aber alles im allem denke ich, dass es das bessere Ende war, das vor allem auch mehr Aussagekraft besitzt, so dass ich mich gut damit begnügen kann. :)


Ein wunderbares Buch, dass sich mit Leichtigkeit lesen lässt und mit Tiefgang besticht. Einzigartig, voller Farben und Emotionen.
Absolute Leseempfehlung!

 Weitere Informationen:
  • Broschiert: 320 Seiten
  • Verlag: Knaur TB (3. März 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3426514095
  • ISBN-13: 978-3426514092
 

1 Kommentar:

  1. Wunderschönes Buch und eine tolle Rezension die mich zu dem Buch geführt hat, danke dafür Svenja.

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