Mittwoch, 19. März 2014

[Rezension] Wohin der Wind uns weht

von Joao Ricardo Pedro
"Duarte wächst auf umgeben von fremden Erinnerungen. Jeder Weg, jedes Haus im Ort hat schon längst seinen Platz in der Familiengeschichte. Kein Blick, ohne Spuren zu erkennen – die seines Vaters, gebrochen zurückgekehrt nach einem einzigen Abenteuer, die seines Großvaters, beseelt von dem einfachen Glück auf dem Land. Allein am Klavier kommt Duarte zu sich selbst und einer Geschichte. Doch nach und nach entpuppt sich die Verheißung der Musik als Gefahr, und Duarte droht zu verlieren, was ihm lieb ist. Erst als er die vergilbten Briefe seines Großvaters entdeckt, scheint sich eine letzte Chance zu bieten – auf Läuterung und ein still leuchtendes Lebensglück." 


Duarte und die Musik ist eine Geschichte für sich, seine Hände fingen einfach an auf dem Klavier zu spielen während Duartes Leben seinen Lauf nimmt, ist die Musik ein ständiger Begleiter. Die Leute um ihn herum sind begeistert von seinem Talent.
Seine einzelne Lebensabschnitte werden von je einem der großen Komponisten dieser Welt begleitet, doch nicht nur sein eigenes Leben zeigt ihm den Wahnsinn der nahe beim Genie liegt, sondern auch die Erinnerungen seines Vaters und Großvaters..


Ich mag die Gestaltung und auch wenn eine schwarz-weiße Gestaltung auf mich oftmals recht trist wirkt, ist hier das Gegenteil der Fall, das liegt an den Gesichtern der beiden Gestalten, wirklich passend empfinde ich es nicht zum Buch, denn das empfand ich als sehr trist.


Als ich mich auf dieses Buch einließ war ich doch sehr gespannt, soll es doch ein kleines literarisches Meisterwerk sein, nun das zu beurteilen Maße ich mir nicht an. Ich kann nur meinen Eindruck wiedergeben und erläutern wie es auf mich gewirkt hat und ich gebe zu, dass es mir bei diesem Buch nicht ganz leicht fällt. 

Der Einstieg in das Buch fiel mir nicht ganz leicht, eine Erinnerung folgt der nächsten ohne, dass sie von Bedeutung erscheinen oder sich zusammenfügen lassen. Ein weiter störender Punkt, diese Erinnerungen werfen Fragen über Fragen auf, die erst mal keine Beantwortung erfahren.
 Nur eines haben sie dann doch gemein, sie drehen sich um Duarte oder seiner Familie, vorrangig um seinen Vater oder Großvater.

Die Erinnerungen an sich haben mir durchaus zugesagt, ich mochte die Stimmung des Buches. Die Tiefe und den Schmerz der sich in den Erinnerungen verbarg. Auf mich wirkte das ganze recht trist und es hatte alles im allem eine sehr depressive Stimmung, da sich auch ein trauriges Ereignis dem anderen reiht.
Positive oder glückliche Momente gibt es da kaum, auch wenn das während des Lesens natürlich bedrückend ist, mochte ich die Stimmung des Buches wie gesagt. Einfach weil das Buch einem selbst irgendwie auf Distanz hält und man diese Stimmung spürt und fühlt, aber sie nicht in einen eindringt. Das kann man auf der einen Seite als negativ empfinden, da ein Buch das alle Emotionen auf den Leser überträgt natürlich wünschenswert ist, aber ich fand es für diesen Roman durchaus passend und war in gewisserweise auch dankbar dafür.

Auch zu den Charakteren selbst bleibt die ganze Zeit über eine Distanz bestehen und mir fiel es schwer mir ein Bild von den Charakteren zu machen, so dass sie für mich immer mehr Schatten blieben. 
In diesem Punkt hätte ich mir schon gewünscht, dass sie zugänglicher wären, so dass man überhaupt eine Chance bekommt sie ins Herz zu schließen, das war hier nicht der Fall, so dass sie einfach irgendwelche Figuren in ihrem Schauspiel blieben.

Das Ende des Buches hat mich schon angesprochen, hier verknüpfen sich dann auch einzelne Erinnerungen, so dass der Roman ein ganzes Bild für sich annimmt. Nur der Weg von einzelnen Bildern zu einem ganzen war, auch bei geringer Seitenanzahl recht lang. Und auch am Ende bleiben mehr Fragen offen als beantwortet werden.
Die Verknüpfung der Erinnerungen am Ende, empfand ich wirklich als außergewöhnlich gut hervorgearbeitet und ich hab es wirklich genossen die Zusammenhänge in Erfahrung zu bringen, so dass mich das Buch dort wirklich mit sich versöhnen konnte.
Die offenen Fragen empfand ich nicht als störend, es ist ein Buch das offen für eigene Interpretationen ist und wahrscheinlich auch genau diese anregen soll und ich denke, dass ich für mich alles schlüssig beantworten ließ.


Dieses Buch zu bewerten empfinde ich nicht als einfach, dieses Buch ist ein gutes Buch, aber es ist ein Buch das nicht für jedem geeignet ist und ich glaube, dass ich zu diesen ungeeigneten Personen zähle. Dennoch bin ich froh es gelesen zu haben, weil es besonders ist und wenn man sich die Mühe gibt und die Zeit nimmt dieses Buch zu lesen, der wird vielleicht noch so viel mehr darin entdecken als ich. :)
Objektiv betrachtet hat dieses Buch eine bessere Bewertung verdient, aber für meine subjektive Meinung reicht es leider nicht für mehr. 
Nicht für jedermann, aber lesenwert.
 Weitere Informationen: 
  • Gebundene Ausgabe: 229 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (10. März 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518424297
  • ISBN-13: 978-3518424292

1 Kommentar:

  1. Hallo liebste Svenja,

    Ich verfolge deinen Blog nun schon eine ganze Weile und komme nicht umhin bei dieser Rezension auch mal einen Kommentar dazulassen. Zur Rezension ist zu sagen, dass ich sie sehr gelungen finde, du beschreibst neutral ohne zu vernichtend zu klingen, dass das Buch für dich nichts wahr. Auch wenn es einzelne Faktoren hatte, die dir zusagten. Sowas würde mir persönlich unfassbar schwer fallen. Ziehe da meinen Hut vor dir.

    Lg Rene

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