Samstag, 28. März 2015

[Rezension] Marias letzter Tag

von Alexandra Kui
"Jeder hat Angst: vor der Euro-Krise, dem steigenden Flusspegel, dem Notendurchschnitt. Lous beste Freundin Maria hat Angst, wie ihre Mutter an Krebs zu erkranken. Als sie von einem Zug erfasst wird und nur knapp überlebt, sprechen alle von versuchtem Selbstmord. Daraufhin ruft Lou den Sommer ohne Angst aus. Ihr Plan: zu leben, als sei es ihr letzter Tag. Tun, wovor sie sich immer gefürchtet hat. Sich fühlen, wie Maria sich gefühlt hat. Ihre selbstgedrehten Videos postet Lou auf ihrem YouTube-Channel, dem sie den Titel »Marias letzter Tag« gibt. Rasant steigt die Zahl der Klicks, es entsteht eine Bewegung der Angstverweigerer. Die Mitschüler, Freunde und Fans übertrumpfen sich mit immer gefährlicheren Aktionen. Und irgendwann verliert Lou die Kontrolle ..."


Lou ist ein sehr ängstliches Mädchen, als ihre beste Freundin von einem Zug erfasst wird und um ihr Leben bangt, will Lou alle Ängste ablegen.
Sie eröffnet einen YouTube Channel in dem sie sich in den gefährlichsten Situationen zeigt, alles nur um ihre Ängste zu überwinden, denn sterben werden wir alle, wozu also diese ständige Angst?
Mit ihrem Channel "Marias letzter Tag" schlägt sie große Wellen, immer mehr schließen sich der Lebensphilosophie an "Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter" doch gerade das führt zu schwerwiegenden Folgen, die längst nicht mehr abzusehen waren und auch Lou gelangt in einen Rausch und übertreibt es immer mehr..


An und für sich ist dieses Cover halt nicht wirklich besonders, ich mag zwar die Farbgebung, aber ansonsten ist es halt einfach nicht sonderlich aussagekräftig, außer, dass ersichtlich ist, dass es sich um Videos dreht. ;)


Die Thematik empfand ich sehr reizvoll, da ich selbst ein ziemlich ängstlicher Mensch bin und mich auch von kleineren Dingen schnell aus der Bahn werfen lasse. Generell alle Situationen in denen ich nicht absehen kann was genau auf mich zukommen wird, versetzen mich in eine ängstliche Lage. Ist also schon recht schwerwiegend bei mir die Angstproblematik. Von daher war ich sehr gespannt wie die Autorin mit dem Thema Angst umgehen wird und was genau ihre Botschaft sein wird. :)

Am Anfang hatte ich kleinere Probleme mich in das Buch hinein zu finden, was vor allem an den Schreibstil lag. Er ist wirklich besonders und sehr modern gehalten, was natürlich gut zur Zielgruppe passt, mir gefällt diese Art von Schreibstil im Prinzip eher weniger.
Ich empfand ihn als sehr gradlinig und direkt, ich mag es allerdings weitaus mehr wenn Bücher verschnörkelt und weich geschrieben sind.
Allerdings ist das natürlich eine reine Geschmackssache und letztendlich konnte ich mich im Laufe der Zeit auch mit diesem Schreibstil sehr anfreunden, so dass ich anerkennen konnte wie viel dahinter steckt. ;)

Die Handlung hat mir wirklich gut gefallen, ich mochte es sehr wie mit der Thematik der Angst umgegangen wird, es werden einige aktuelle Ereignisse mit eingebunden und das Buch zeigt deutlich auf, wie sehr die Gesellschaft uns prägt und schon nahezu Angst im Volk streut.
Das sind so kleine Details denen man sich eventuell bereits bewusst war, die durch dieses Buch aber noch einmal präsenter werden, so dass man sich auch mal richtig damit auseinandersetzt.

Dann spielen natürlich auch die Eltern eine große Rolle, die ihre eigenen Ängste auf ihre Kinder projizieren und ihnen damit natürlich auch ein Stück Freiheit nehmen sich selbst zu entfalten. Genau genommen kann man all das wirklich gut in seinem eigenen Umfeld betrachten, von daher ist dieses Buch einfach sehr authentisch und hat mich persönlich sehr nachdenklich gestimmt. :)

Die Entwicklung von Lou war wirklich sehr radikal, am Anfang mochte ich sie wirklich sehr auch wenn sie ganz schön ich bezogen war und ihr die Weitsicht fehlte zu erkennen, dass nicht nur in ihrem Leben die Angst herrscht. Das sorgt dafür, dass sie Sorgen von anderen gar nicht rnst nimmt und das ist gerade in Bezug auf Maria wohl ein Fehler gewesen. Nach dem Maria dann ihren Unfall oder auch nicht Unfall hatte, ändert sich Lou ziemlich schlagartig. Se startet ihr Projekt und gerade Anfangs spürt man doch sehr wie viel Überwindung ihr das kostet, wie sehr sie das aber auch einfach für sich selbst tun muss.
Ich hab das Anfangs sehr befürwortet, auch wenn ihre Handlungen leichtsinnig waren, aber ich fand es gut, dass sie sich den Ängsten der Gesellschaft stellt. Lou gerät im Laufe der Handlung aber in einen richtigen Rausch, zieht ihre Freunde damit hinein und ermutigt sie auch dazu, ihre Ängste zu überwinden. Mag ebenfalls etwas sin was eigentlich lobenswert ist, aber den Ausmaß den das ganze annimmt ist einfach sehr bedenklich und es steigert sich und steigert sich und nicht nur ihr Umfeld macht mit sondern das ganze Netz und jeder scheint jeden zu übertrumpfen wollen.

Und auch Lou identifiziert sich immer mehr damit, das ganze wird also wirklich heikel und äußerst gfährlich und Lou gerät an einen Punkt bei dem sie die Warnungen von Außen nicht wahrnimmt und nicht einsehen kann und ich habe mir wirklich viel Sorgen um sie gemacht und sie wurde dadurch auch sehr unsympathisch, was ich schade fand.

Die anderen Charaktere fand ich allerdings sehr schwach skiziert, Lou war der Mittelpunkt und man war vollkommen auf ihre Gedanken, Gefühle und Ideen fokussiert. Die Probleme der anderen wurden zwar wahrgenommen und ich konnte auch mit ihnen fühlen, aber ansonsten boten die andren Charaktere nicht viel mehr als das was sie durch ihre Ängste darstellten, das fand ich ein bisschen schade. 


Das Buch ist wirklich lesenswert, weil die Thematik jeden von uns betrifft und sie meiner Meinung nach auch wirklich gut umgesetzt wurde und auch ein gutes Statement setzt. Rund um die Thematik war die Geschichte für mich nicht perfekt konstruiert. ;)
Lesenswert, vor allem wegen der Thematik.

Weitere Informationen: 
  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: cbt (2. März 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570163172
  • ISBN-13: 978-3570163177

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