Sonntag, 4. Oktober 2015

[Rezension] Bis ans Ende der Geschichte

von Jodi Picoult
"Sage Singer ist eine junge Bäckerin. Sie hat ihre Mutter bei einem Autounfall verloren und fühlt sich schuldig, weil sie den Wagen gelenkt hat. Um den Verlust zu verarbeiten, nimmt sie an einer Trauergruppe teil. Dort lernt sie den 90jährigen Josef Weber kennen. Trotz des großen Altersunterschieds haben Sage und Josef ein Gespür für die verdeckten Wunden des anderen, und es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft. Als Josef ihr eines Tages ein lang verschwiegenes, entsetzliches Geheimnis verrät, bittet er Sage um einen schwerwiegenden Gefallen..”

  • Preis: 19,99€
  • Einband: Gebunden
  • Seitenanzahl: 560
  • Verlag: C. Bertelsmann
  • Übersetzer/in: Elfriede Peschel
  • ISBN: 978-3-570-10217-6


Sage Singer ist eine zurückgezogene Bäckerin, zurückgezogen vor allem weil sie sich die Schuld an dem Tod ihrer Mutter gibt. In einer Gruppe für Trauerbewältigung lernt sie den 90-jährigen Josef kennen, zwischen den beiden entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft. Sie lernen voneinander und erkennen die Wunden des anderen. Als ihr Josef allerdings erzählt, dass er während der Nazi-Zeit in Ausschwitz stationiert war und Menschen getötet hat, gerät Sage in ein Zwiespalt. Und zum ersten Mal in ihrem Leben, erweckt diese Offenbarung das Interesse an ihre eigene Familiengeschichte und sie drängt darauf endlich zu erfahren was ihrer Großmutter zu dieser Zeit wiederfahren ist...


Ich finde das Cover sehr schön, erst einmal mag ich die Gestalt und ihren Look, aber auch wie sie vertief in eine Geschichte ist und der dunkle Hintergrund wirkt sehr stimmig miteinander und passt sehr gut zum Buch.


Bei diesem Buch weiß ich ehrlich gesagt gar nicht so genau wie und wo ich Anfangen soll, es bleibt vielleicht zu erwähnen, dass dieses Buch für mich eine absolute Überraschung dargestellt hat. Ich bin ziemlich neutral an das Buch heran gegangen, weil es sich mit dem Holocaust auseinandersetzt, was kein einfaches Thema ist.

Anfang des Buches gibt es ein paar wirre Details, die Perspektive wechselt immer wieder, die ist allerdings durch einen Schriftwechsel oder einer enstprechender Überschrift gekennzeichnet und doch gibt es einen Part, bei dem man kaum weiß wie er sich in die Geschichte integriert und was genau das alles Aussagen soll und dennoch ist genau dieser Part von großer Bedeutung. Anfangs hat mich das ein bisschen verwirrt, aber irgendwann kam für mich der Punkt da hab ich diesen Part einfach betrachtet und gelesen ohne mir allzu viele Fragen zu stellen und es einfach auf mich wirken zu lassen.
Gerade im nachhinein empfinde ich diesen Part als eine echte Bereicherung. Zu viel möchte ich diesbezüglich aber nicht verraten, weil das meiner Meinung nach zu viel vorweg nehmen würde.

Die Gesamte Geschichte hat mir vom Aufbau her gut gefallen, wie lesen aus der Perspektive von Sage. Ich mochte Sage, auch wenn sie einige Probleme mit sich bringt und ihr Verhalten sich vielleicht nicht immer logisch erklären lässt, dennoch hab ich persönlich eine gute Verbindung zu ihr aufbauen können und mochte sie, vor allem unterzieht sie sich im Laufe der Handlung einer Veränderung die mir sehr zugesagt hat.

Desweiteren gibt es noch den Part von Leo, er ist Bundesbeamter und beschäftigt sich mit dem Auffinden von Kriegsverbrechern der Nazizeit. Ich fand diesen Part sehr interessant, er nimmt nicht übermäßig viel Raum ein, aber doch erkennt man wie der Ablauf seiner Arbeit ist und wie die Vorgänge sind, wenn es einen Verdächtigen gibt. Ich weiß nicht wie realitätsnah diese Schilderungen waren, ich fand sie für das Buch nur wirklich goldwert und hab es sehr gerne gemocht.

Zu kleinen Anteilen hat auch Josef die Gelegenheit seine Sicht zu zeigen. Josef ist wohl der Charakter der bei mir die meisten zwiespältigen Emotionen hervorgerufen hat, man lernt ihn als alten Mann kennen und er ist Lebensmüde und doch ist er einfach nett und fürsorglich und dann schildert er seinen Werdegang wie er dazu kam in Ausschwitz zu arbeiten und in diesem Teil lernt man einen kalten und furchtlosen Jungen kennen, der so viel Hass in einem hervorruft.
Generell hat mich sein Part sehr nachdenklich gestimmt, seine Schilderungen waren wirklich furchtbar und gingen mir sehr nahe.
   Und doch stellten sich mir die Frage wie viel Schuld die meisten Menschen wirklich getragen haben, wie viel Vorwurf man ihnen machen kann. Es ist so eine schwierige Frage und meine Antort war nie wirklich dieselbe, je nach dem was ich erade genau zu lesen bekommen habe. Ich glaube nur, dass es aus heutiger Sicht sehr einfach ist zu verurteilen und zu meinem, einem selbst wäre sowas nie passiert - weil man es nicht zugelassen hätte, von daher könnte ich für mich persönlich nie eine allgemeingültige Antwort finden und müsste es immer individuell betrachten.

Das ganze Buch hat bei mir also einen gewissen Nerv getroffen und hat mich erdrückt und anchdenklich gestimmt, es hat mich gedanklich sehr intensiv beschäftigt und insgesamt hat mich das Buch dadurch wirklich gefesselt, auch wenn ich gleichzeitig das Bedürfnis hatte großen Abstand vom Buch zu nehmen, weil es mir nicht immer gut tat. Aber ich konnte mich nicht davon lösen, weder beim lesen, noch sofort nach dem Lesen.

Der beste Part des Buches war der Part von Sages Großmutter Minka, sie ist Jüdin und war in Ausschwitz, auf rund 200 Seiten erzählt sie ihren Werdegang. Wie die Ausgrenzung langsam anfing, wie sie ins Getto gedrängt wurden sind und wie sie für die Deutschen schufften musste. Bis zu dem Zeitpunkt als immer mehr Menschen verschwinden, teile ihrer Familie und letztendlich auch sie.
Allein dies war schon eine sehr genaue und realistische Schilderung und hat bei mir manches Mal Gänsehaut verursacht und mich emotional tief berührt.
Als sie dann in Ausschwitz ist fängt das Leiden erst richtig an, es ist natürlich zu einem die Tatsache, dass all das wirklich passiert ist und noch so viel schlimmeres dazu und dann hab ich diesen Bericht als sehr nahe empfunden. Ich hab wirklich gespürt wie Minka, hungerte und frohr und körperlich an Ende war. Das war beim Lesen für mich allgegenwertig und sehr dicht dran. Das hat das ganze für mich sehr wertvoll werden lassen, gleichzeitig war es aber auch sehr schwer das ganze zu lesen und zu ertragen - zumindest für mich.
Auch ihre ganze Person fand ich überzeugend und einfach einzigartig. Und allen wegen ihr lohnt sich dieses Buch in vielerlei Hinsicht.


Vielleicht mag dieses Buch nicht bei jedem den gleichen Nerv treffen wie bei mir, aber mich hat es wirklich überwältigt. Es hat mich emotional wirklich mitgenommen und auch wenn es nicht leicht war mich so nah an das Geschehen von damals heranführen zu lassen, so ist dieses Buch für mich Gold wert und ich persönlich würde es jedem empfehlen.



Kommentare:

  1. Hallo Svenja,

    danke für die schöne Rezi! Liebäugle schon seit ein paar Tagen mit diesem Buch ;-)

    Liebe Grüße,
    Tanja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich hoffe ich konnte dir mit meiner Rezension einen Schubs in die richtige Richtung geben, denn das Buch gehört ins Regal. :D

      Löschen
  2. DAs klingt interessant, aber schwer zu lesen. Das Cover ist toll!

    #Kommentiertag

    AntwortenLöschen